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Die Auswirkungen der Leitzinssenkung

13.05.2013 - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins von 0,75 Prozent auf ein historisches Tief von 0,5 Prozent gesenkt und strebt damit eine expansive Geldpolitik an. Den sich ihr bietenden zinspolitischen Spielraum hat die EZB damit voll ausgeschöpft. Durch das billige Geld sollen die konjunkturellen Krisen nun schnell überwunden werden.

Was ist der Leitzins?

Der Leitzins legt fest, zu welchem Zinssatz sich Banken bei der Zentralbank Geld leihen können. Damit beeinflussen Veränderungen beim Leitzins die Konditionen für festverzinsliche Sparanlagen sowie für kurzfristige Kredite.

Auswirkungen auf Kredite

Die Banken können sich nun zu günstigen Konditionen Geld leihen, somit wird ihre Refinanzierung billiger. Dieses Geld können die Banken jetzt auch günstiger an die Verbraucher, Konsumenten oder Immobilienkäufer weitergeben, die eine Finanzierung benötigen. Die niedrigen Kreditzinsen sollen die Kreditnachfrage steigern und vor allem die Attraktivität von Krediten mit langen Bindungsfristen erhöhen. Für Immobilienkäufer und Bauherrn lohnt es sich, eine langfristige Zinsbindung anzustreben, um sich die günstigen Konditionen zu sichern. Aber auch Unternehmen profitieren von günstigen Finanzierungen, was die Investitionen wieder rentabel machen soll. Mit steigenden Investitionen soll die Wirtschaft wieder in Schwung gebracht und Krisensituationen gemeistert werden.

Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) zeigt sich besorgt darüber, dass die mit der Zinssenkung angestrebten positiven Impulse für die Wirtschaft des gesamten Währungsraumes begrenzt ausfallen dürften. Vielmehr erhöhe das noch niedrigere Zinsniveau das Risiko einer Zunahme langfristig unwirtschaftlicher Investitionen in den konjunkturell besser dastehenden Eurostaaten. In Südeuropa hingegen dürften die geldpolitischen Impulse aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation kaum ankommen. Eine Umfrage der EZB bestätigt diese Befürchtung. Laut der Umfrage haben die Banken in den Krisenländern ihre Vergabestandards wegen der günstigen Liquiditätsversorgung nicht weiter verschärft. Günstige Finanzierungsbedingungen könnten demnach an der Furcht der Banken vor Kreditausfällen wenig ändern.

BVR-Präsident Uwe Fröhlich teilt die Sorge: "Dauerhaft niedrige Zinsen sind für die Finanzstabilität ausgesprochen schädlich. Investitionen werden begünstigt, die auf Dauer nicht wirtschaftlich tragfähig sind. Außerdem wird das Ziel, die Kreditvergabe in den Ländern Südeuropas zu fördern, durch billigeres Geld der Notenbank nicht erreicht. Der erschwerte Kreditzugang in den Südländern ist nicht das Problem zu hoher Zinsen, sondern der hohen Kreditrisiken in Anbetracht der schwierigen Wirtschaftsverhältnisse. Eine gezielte Förderpolitik auf nationaler Ebene würde den Kreditzugang viel eher erleichtern."

Steigender Verbrauch soll die Wirtschaft ankurbeln

Durch die wachsende Zahl der Kredite sollen die Verbraucher auch mehr konsumieren und damit die Konsumquote ansteigen lassen. Mit dem höheren Verbrauch und der höheren Nachfrage müssen Betriebe in der Produktion zulegen, wodurch die Wirtschaft wieder angekurbelt wird.

Auswirkungen auf den Euro

Sinken die Leitzinsen eines Landes, werfen auch die Staatsanleihen des betreffenden Landes weniger Zinsen ab und werden damit für Anleger unattraktiv. Es besteht also die Gefahr, dass die Währung nach einer Zinssenkung allgemein weniger nachgefragt und so abgewertet wird. Die Nachfrage nach anderen Währungen hingegen steigt und Anleger, Spekulanten und Investoren zieht es vermehrt in Währungsräume mit höheren Zinsen. Als Folge werden die Exporte billiger und die Importe teurer.

Auswirkungen auf Sparanlagen

Die Leitzinssenkung bewirkt nicht nur eine Senkung der Zinsen für Kredite, auch die Zinsen für Geldanlagen werden abgesenkt. Daher ist eine solche Leitzinssenkung für Kapitalanleger in der Folge negativ, denn die Banken und Geldinstitute bieten auf Anlageformen wie Tagesgeld und Festgeld weniger Zinsen. Aufgrund der geringen Rendite besteht somit die Gefahr, dass Sparer und Anleger nicht mehr bereit sind, ihr Geld auf Sparkonten zu deponieren. Auch die Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie weitere betroffene Institute sehen die erneute Zinssenkung als ein falsches Signal für Sparer und alle, die für das Alter vorsorgen möchten. "Jeder Zinsschritt nach unten lässt die Sparguthaben schmelzen. Sinkende Zinsen bedeuten einen sinkenden Anreiz für das Sparen und Vorsorgen. Dabei müssen die Menschen heute mehr als bisher vorsorgen, um ihren Lebensstandard im Alter zu sichern."

Hinzu kommt, dass die meisten Versicherungsunternehmen dazu verpflichtet sind, das Geld in sichere Anlagen zu investieren. Oft untersagen die Geschäftsbedingungen spekulative Investitionen. Somit kann es passieren, dass durch die Investition in sichere Anlagen, wie beispielsweise deutsche Staatsanleihen, den Versicherungen Verluste entstehen.

Auswirkungen auf die Aktien

Durch die vereinfachte Geldaufnahme, kann auch mehr investiert werden. Damit wird auch auf gute Gewinne der Unternehmen spekuliert und die Zinssenkung führt folglich zu einer höheren Nachfrage nach Aktien. Diese lässt normalerweise die Kurse der Papiere steigen. Zudem versprechen Aktien eine höhere Rendite als festverzinsliche Anlagen und werden von Anlegern somit verstärkt gekauft.

redaktionell verantwortlich: mittelstanddirekt